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Demonstration Münster 3.3.2012

Ja in Münster ist es finster?

Nein, so finster war es gar nicht, als wir am 3. März Münster besuchten,
um für nationale Souveränität zu demonstrieren, oder, richter, für den
Ausstieg aus NATO, EU und UNO. (Und aus dem Euro, was zwar nicht das
offizielle Demonstrationsmotte war, aber auch immer wieder durchklagt.)

Bunt was es in Münster, weil sich insgesamt so ungefähr 130 Vereine,
sonstige Organisationen und Parteien gefunden hatten, um gegen die bösen
Nazis öffentlich anzutreten. Sie schafften es mit vereinten Kräften, in
einer Straße ungefähr ein Dutzend Transparente quer über die Straße zu
hängen. An so gut wie jedem Laternenpfahl ein Plakat (Keinen Meter den
Nazis! - was dann hinterher natürlich zu viel versprochen war.) An jedem
Baum ein Zettel "Nazis raus", teilweise in etwas abenteuerlicher
Schreibweise ("Natzis raus"), teilweise ergänzt durch nicht handgemalte,
sondern gedruckte Zettel "no nazis". Es sah bunt aus wie ein Ballsaal
zur Faschingszeit. Nur die Musik war ein wenig eintönig; Trillerpfeifen
und Klopfen mit Kochlöffeln auf Kochtöpfen.

Schon vor Erreichen dieser hübschen Straße sorgte ein Zugführer der Bahn
für Heiterkeit, indem er ankündigte: "Wir erreichen in wenigen Minuten
Münster, und zwar voraussichtlich Gleis vier." Daß er sich auf das Gleis
nicht festlegen wollte, war eine kluge Idee; denn aus uns unbekannten
Gründen wurde es dann Gleis zwei. Dem Wunsch, in Fahrtrichtung rechts
auszusteigen, sind wir natürlich gern gefolgt.

Wir, das waren zu dem Zeitpunkt rund zweihundert Teilnehmer, also die
angemeldete Zahl. Tatsächlich wurde diese durch weiteren Zulauf noch
erheblich gesteigert. Der Versammlungsleiter stellte bei einer Zählung
344 fest; die Medien sprachen von 350, Polizeibericht von "ca 300". . Es
gab einen Ausfall von drei Personen, was eine Quote von unter einem
Prozent ist. Einer wurde in Gewahrsam genommen, weil er Böller dabei
hatte, ein anderer, weil er eine Dose Pfefferspray hatte, und ein
Teilnehmer hatte nach polizeiliche Atemalkoholmessung 1,4 Promille und
wurde von der Polizei der Demonstration verwiesen. Was übrigens sehr in
unserem Sinne war.

Die Demonstration dauerte von 13.40 Uhr bis 16.15. Durch die Versamlung
moderierte uns der Leiter, Sascha Krolzig. Zur Auftaktkundgebung
sprachen Achim Kemper aus Münster und Kevin aus Hamm. Dann folgte die
besonders bunt dekorierte erste Straße mit einer Länge von etwa einem
Kilometer. Danach wurde die Dekoration schlagartig schwächer, förmlich
ausgedünnt. (Vielleicht hatte man nicht damit gerechnet, daß wir weiter
als diesen ersten Kilometer kommen würden und sich für die folgenden
zwei Kilometer keine große Mühe mehr gegeben.) An einer großen Kreuzung
mit Bahnunterführung bekamen wir dann auch die Masse der
Gegendemonstranten zu Gesicht; es mögen tausend oder auch ein paar
darüber gewesen sein. Die Gesamtzahl an Gegendemonstranten kann auf etwa
zweitausend geschätzt werden; ein "Schwarzer Block" linker Autonomer
fehlte völlig. Der Polizeibericht gibt die Zahl der Gegendemonstranten
mit "über 5.000" an, was mutmaßlich eine Übertreibung aus politischen
Gründen ist.

Auf der ersten Zwischenkundgebung sprachen Christoph aus Dortmund, meine
Wenigkeit sowie Dieter Riefling.

Die zweite Zwischenkundgebung bestritten Martin aus Münster, Paul Breuer
aus Köln in Vertretung des kurzfristig erkrankten Axel Reitz sowie Sven
Skoda.

Militante Zwischenfälle blieben die Ausnahme; an einer Stelle wurden ein
halbes Dutzend Flaschen, Tomaten und eine Birne auf uns geworfen, die
keinen Schaden anrichteten. Einer der Flaschenwerfer erlitt bei seiner
Festnahme durch die Polizei schwere Verletzungen. Insgesamt wurden 24
Personen aus dem linken Spektrum wegen Körperverletzung und Widerstand
festgenommen.

Alles in allem eine ausgesprochen zufriedenstellende Demonstration.

Parchim, 4. März 2012
Christian Worch


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